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Allgemeines Arbeitstagebuch

Mittwoch, 16. Dezember 2009

Auszug Brief an eine Freundin + Kommentarfunktion an

Dem Schneeballprinzip zu folge fügt sich Erfolg zu dem, der schon Erfolg hat. Das heißt in der Praxis: immer schön lächeln und so tun, als sei alles prächtig. Nur privat äußert man dann mal, wie man sich wirklich fühlt.

"... Sooo hatte ich mir mein berufliches Leben eigentlich nicht vorgestellt. Ich dachte, ich werde mit Gedanken über das Leben gefragt sein wie Christa Wolf. Aber das Telefon klingelt nicht am laufenden Band, bis auf Ausnahmen kommen per Mail kurze Absagen und ich habe keine große Lust mehr zum schreiben, wenn das meiste auf der Halde landet, obwohl ich nicht daran zweifle, dass da sehr viel Gutes dabei ist.
Zwei Bücher und eine Hand voll Veröffentlichungen reichen noch nicht als Türöffner. Irgendetwas muss ich ändern. Aber auf Krampf geht auch nichts. Also noch gelassener werden? Was anderes machen? Oder sich von Gedanken über Erfolg oder Misserfolg frei machen?
Ein kleiner Fortschritt ist, dass ich immerhin regelmäßig ein bisschen Geld verdiene, weil ich als Koautorin ein Sachbuch schreibe, mal hier und da was Kleines mache und von der Prosawerkstatt, in der ich fünf semiprofessionelle Autorinnen betreue, sehr positives Feed back bekomme. Das Lehren befruchtet und ordnet meine Gedanken zum Schreiben, aber auf der anderen Seite lenkt mich das alles auch von meiner eigentlichen Arbeit ab..."
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Dienstag, 20. Oktober 2009

Auszeit

Ich gönne mir bis Mitte November einen Ausstieg aus dem Alltag und freue mich auf Schnee und Sonne und hoffentlich viel Schreibzeit, obwohl Erholung verordnet wurde...
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Sonntag, 6. September 2009

Prinzessin Wunderlich heute zu hören

14.05 Uhr auf DeutschlandRadio Kultur. Infos hier.
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Donnerstag, 23. Juli 2009

Statusmeldung

- Arbeit an "Bleib ein wenig, geh": ruht
- Gemeinschaftsarbeiten mit anderen Künstlern: aktiv
- Verlagssuche für Hörbuch "Die Wärterin": läuft
- neue Lesungen: geplant
- Leitung von Kursen für literarisches Schreiben: www.prosawerkstatt.de
- Urlaub: im Süden, leider schon vorbei, 50 Seiten geschrieben
- Essay über die Liebeskunst: Rohfassung fertig

sonnenblumenfeld

Rubrik: Allgemeines Arbeitstagebuch
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Montag, 13. Juli 2009

Meine liebe Babcia

ist nach kurzer schwerer Krankheit aus dem Leben geschwunden. Ich hoffe, sie sitzt jetzt auf einer Wolke und ist wieder fröhlich wie früher.

babcianikolai
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Montag, 4. Mai 2009

Er ruht,

mein Roman "Bleib ein wenig, geh", er wartet auf mehr äußerliche Ruhe und innere Gelassenheit. Das Manuskript ist in der Rohfassung schon lange fertig (ein Jahr?), aber es ist noch nicht das, was mir selbst vorschwebte und so gebe ich mir die Zeit bzw. lasse mich ablenken von anderen Notwendigkeiten. Auf jeden Fall werde ich Sie an dieser Stelle auf dem neuesten Stand halten.
Im Hintergrund läuft weiterhin die Suche nach meiner Großmutter, ihren Lebensspuren, ihrem Grab. Erst nachdem ich meiner polnischen Wahlgroßmutter helfen konnte, das Grab ihrer Schwester bzw. den ehemaligen Friedhof, auf dem Sie in der NS-Zeit bei Leipzig begesetzt worden war, zu finden, erst da bin ich auf die Idee gekommen, auch über den kirchlichen Suchdienst nach meiner Großmutter zu "fahnden". Paradoxerweise muss ich hier aber berechtigtes Interesse nachweisen, d.h. die Verwandschaft zu meiner Großmutter belegen. Wie soll ich das aber können, da ich ja kein einziges Dokument besitze, keine genauen Lebens- bzw. Sterbedaten weiß?
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Mittwoch, 12. November 2008

Einfriedung

Diese Woche kommen Menschen nach Leipzig, die mit der Stadt die Erinnerung an die schlimmste Zeit ihres Lebens verbinden. Auf Einladung des Referates für Europäische und Internationale Zusammenarbeit besuchen ehemalige Zwangsarbeiter Orte, an denen sie interniert waren und Orte, an denen ihrer Geschichte zur Zeit des Nationalsozialismus gedacht wird.
Auch meine polnische Wahlgroßmutter Regina K. hat dieser Tage ein Kapitel ihrer Familiengeschichte noch einmal aufgeschlagen und konnte es nach 64 Jahren endlich zu Ende schreiben.

babciaamgrab

Kein Grab zu finden, aber doch die beruhigende Gewissheit, dass ihre Schwester Maria 1944 nach Zwangsarbeit in Leipzig auf dem damaligen Friedhof in Zschadraß (neben vielen anderen) ihre letzte Ruhe gefunden hat. Symbolisch und als Schutz für Blumen und Kerzen haben wir eine kleine Einfriedung gebaut.

Ein Zeichen der Erinnerung wäre ein Wunsch an die Gemeinde Zschadraß
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Donnerstag, 11. September 2008

Gesucht, gefunden und doch nicht

Pünktlich zu meiner Rückkehr von einer kurzen, traumhaften Masurenreise kam eine Nachricht des internationalen Suchdienstes an. So wie ich in den Masuren das Grab meiner Großmutter suche, habe ich hier von Leipzig aus die Suche nach dem Grab von Babcias Schwester Maria aufgenommen, die 16jährig als polnische Zwangsarbeiterin nach Leipzig kam und auf nicht näher bekannte Weise verstarb. Seitdem sind über 60 Jahre vergangen, in denen Babcia Regina die Gedanken über diesen frühen, sinnlosen Tod mit sich trug und nicht zur Ruhe kam, weil ein Grab wie ein Abschluss eines Lebens, ein Erinnerungs- und Verstehensort fehlte.
Zu meiner großen Überraschung enthielt das Schreiben eine kopierte Liste mit Namen von Verstorbenen und Umgebrachten, aus denen Sterbedatum, Todesursache und sogar Bestattungsort und Grabnummer hervorgingen. Maria W. wurde anscheinend mit Lungentuberkulose vom Lager der HASAG in Leipzig nach Zschadraß (bei Grimma) verlegt und dort auf dem Friedhof beigesetzt.
Der Ort Zschadraß besteht aus einer parkähnlichen Anlage, auf denen die Häuser der Anstalt verteilt sind. Der Friedhof mit der Aufbahrungshalle wirkt gepflegt, doch ein wenig zu klein für seine Vergangenheit. Nach der Auskunft eines Mannes, der nebenan im Garten arbeitete, war der Friedhof ursprünglich tatsächlich größer.

PICT2330

Der Teil mit den Gräbern der NS Zeit wurde erst etwa um 1990 eingeebnet, als es niemanden mehr gab, der die Pflege übernahm. Die alleeartige Anordnung der Bäume lässt die Strukturen des einstigen Friedhofs vermuten.

PICT2331

Vereinzelt, verstreut fanden sich Steine mit Grabnummern. Leider nicht die gesuchte Nummer.
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Donnerstag, 17. Juli 2008

Warten auf Glorio

Es gibt Wochen, die gehen tätig vorbei, ohne dass ich recht weiß, was ich gemacht habe. Viele Notizzettel flattern auf dem Schreibtisch herum, die Lüftung des Laptops läuft ständig, ich fülle Formulare aus, schicke Faxe, Emails, Briefe, bekomme Post, treffe virtuell und real Menschen. Es ist ein Leben, das sich lebendig anfühlt. Im Untergrund hält sich ziemlich heimlich ein Gefühl, das Warten heißen könnte. Zum Beispiel Warten darauf, dass meine Arbeit neben kleinen Blüten wieder richtige Früchte trägt. Nach dem leichten Shooting-Star-Rausch zum Anfang meiner Selbstständigkeit, habe ich jetzt meine beruflichen Ziele und Wünsche in kleine Schritte zerlegt, weil ich verstanden habe, dass so die Chancen am realistischsten sind. Die Ungeduld von früher ist gebändigt, aber damit auch ein wenig die Energie. C'est la vie.
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Sonntag, 29. Juni 2008

Fertig, nicht fertig

Fertig, mit dem Thema, erstmal, erstmal nicht wissen, wie weiter und doch wissen, dass ich noch weiter arbeiten muss an meinem Roman, in die Tiefe, in die Breite und sogar strukturell. Am liebsten wäre ich wirklich fertig, würde gern etwas Neues beginnen und schon gar nicht unter Druck an meinem Skript herumdoktorn. Es gibt keinen Druck, keinen äußerlichen. Keinen Vertrag, kein Ablieferungsdatum. Nur den üblichen Existenzdruck, von dem man ja meint, er würde Künstler zu Höchstleistungen inspirieren, was ich so nicht bestätigen kann. Es sollte einem nicht zu gut und nicht zu schlecht gehen zum Schreiben.
Natürlich habe ich mir etwas versprochen, nämlich ein gutes Buch zu schreiben und ich habe mich unter Druck gesetzt, in dem ich mein Vorhaben hier publik gemacht habe; vielleicht um mich selbst zu disziplinieren und in der einsamen Zeit des Entwickelns und Schreibens wenigstens in einem Pseudodialog zu stehen.
Ab und zu erzählt mir jemand, dass er oder sie auch schreibt oder schreiben möchte und ich ermutige jeden und habe sogar den Verdacht, dass es einfacher ist, wenn man sich nicht mit der Metaebene des Schreibens beschäftigt und wenn man die hundert genialen Bücher im Schrank und die Milliarden Bücher, die gedruckt werden, übersehen kann. Wenn man sich nicht fragt, warum die Welt nun unbedingt noch diese Geschichte braucht, ob die Geschichte wichtig genug ist, ob man selbst mit der Sicht, der Beschreibung, den Gedanken wichtig genug ist, um Papier zu füllen, ein Buch daraus machen zu lassen, das dann in der großen Bibliothek einen kleinsten Teil ausmacht.
Die Möglichkeit, dass es vielleicht gefunden wird, vielleicht einer Hand voll Menschen etwas bedeutet, vielleicht nur mit einem Kapitel, einem Satz, für diese Möglichkeit lohnt es sich natürlich, weiter zu machen.
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Anna Kaleri

Gedankengänge rund um die Arbeit einer jungen Autorin

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AnKaLe - 2009.12.21, 13:09
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AnKaLe - 2009.12.16, 20:31
Ich lass mal einen Gruß...
(Dass der Teufel immer auf den größten Haufen...
Eugene Faust - 2009.12.16, 16:38
Unsinnstifterin gefällt...
Unsinnstifterin gefällt mir gut! ;-)
Talakallea Thymon - 2008.04.10, 10:27
oder Unsinnstifterin...
oder Unsinnstifterin oder Detailrecyclerin oder Zeitdruckerin...
AnKaLe - 2008.04.09, 14:07
Statt Verkäuferin...
Statt Verkäuferin könnten Sie auch Heizerin...
Talakallea Thymon - 2008.04.09, 12:18
... minä ...
... minä ...
Talakallea Thymon - 2008.03.26, 10:00
Kommentar ein, Kommentar...
Irgendwann war es mir zu viel geworden, auf die Kommentare...
AnKaLe - 2008.03.24, 13:15
gewagt, aber verstädnlich,...
gewagt, aber verstädnlich, das bild. Max Frisch...
Talakallea Thymon - 2008.03.17, 10:02

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