Freitag, 16. Mai 2008

Selber lesen macht schön

Es gab nur eine einzige negative Kritik zu meinem Debüt, aber die versetzte mich damals (2004) mehrere Stunden in Wut, weil die Argumentation auf Falschzitaten fußte. Hätte ich dieses Buch nicht schon gekannt, hätte ich es nicht kennen lernen mögen. Ich kannte es nun aber wortwörtlich und so fiel mir auf, dass in einem als Zitat angegebenen Teilsatz eine Präposition auf nicht unerhebliche Weise fehlte. Ein anderes Zitat kam mir nicht nur hinrissig, sondern gänzlich unbekannt vor und nach etwas Recherche kam ich dahinter, dass es sich folgendermaßen zusammen setzte: Adjektiv plus Substantiv aus einer Geschichte, wobei das Substantiv falsch geschrieben war, und ein Verb aus einer ganz anderen Geschichte. Da wurde aus bergevollen [Einkaufs-]Wagen und dem Wort klimpern das wundervolle Zitat kreiert "Augen, die über bergevollen Wangen klimpern". In sich ist der Verriss stimmig, da der junge Kritiker Stilblüten unterstellte, nur eben, dass er sie selbst produziert hat. Wen wunderts, wenn auch die literarische Einordnung ein paar Meter daneben traf.
Na gut. Es hat eben mein persönliches Bild der betreffenden Tageszeitung, sagen wir mal, etwas getrübt, und der Kritiker hat sich auf Anregung eines Schriftstellerkollegen die "Goldene Mistgabel" ordentlich verdient und damit hätte es sein Bewenden haben können. Wenn nicht genau dieser Artikel in der Online-Ausgabe der betreffenden Zeitung weiter sein Unwesen getrieben und sich scheinbar für immer und ewig mit meinem Namen und Buch verlinkt hätte.
Inzwischen habe ich mich über meinen Rechtsbeistand zu Urheber-und Persönlichkeitsrecht informiert und nun kursieren selten benutzte und nur geringfügig poetische Worte in meinem Passivwortschatz, so dass ich anstelle einer Short Story als Nächstes eine Abmahnung hätte verfassen können - da war die Rezension plötzlich von der Bildfläche verschwunden. Na, da klimpere ich noch mal ein bergevolles Wagenauge zu.

Rubrik: Anekdoten aus dem Literaturbetrieb
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