Freitag, 29. September 2006

5. Pornografie!

Mein erstes Buch erschien in einem wirklich feinen Literaturverlag, in den ich auch passe und mit meinen Potentialen erst recht. Das habe ich dem Verlag aber nicht mitgeteilt, sondern mich in jugendlicher Verstiegenheit gebärdet wie eine kapriziöse Jungautorin (so jedenfalls kann man meine Art interpretieren). Wie auch immer, zwischen dem ersten und dem zweiten Buch, für das ich schon einen Vertrag hatte, habe ich eine Sammlung Short Stories geschrieben. In einem Loyalitätsanfall habe ich meinem Lektor das Manuskript geschickt. Habe ich schon irgendwo erwähnt, dass er ein kleinerer Herr mit Schnauzbart war und dass ich mitunter erotische Elemente in meine Texte einfließen lasse? Also, es gab dann eines Tages ein Telefonat. Ich suchte mit meinem Handy die Telefonzelle auf, damit ich meinen Lektor besser verstehen könnte und er mich auch, ich hätte ihn auch von der Zelle aus zurück rufen können, aber seine Missbehagen war so groß, dass seine Botschaft kurz ausfiel, er rief aus: Das ist ja Pornografie! Danach hatte ich keine Lust mehr, etwas zu sagen, dem Verlag etwas zu schreiben oder zu schicken.
Ich finde es schade, dass in Deutschland so stark in Ernst und Unterhaltung unterteilt wird und Pornographie das Gegenteil von Literatur darstellt. Ich schreibe über das Leben und darin kommen Wärme und Kälte vor, Ängste und Gelüste. Aber Pornografie? Meine Herren, das sollte ich wirklich mal schreiben, damit ließe sich vielleicht ordentlich Geld verdienen.
Liebe Blogleser, Sie haben hier die einmalige Gelegenheit, sich selbst ein Bild zu machen. Meine Short Stories sind bis jetzt zum Teil einzeln, aber nicht als Buch veröffentlicht, hier eine, die ich am Gelungensten finde.


>>6. Wie ich Suhrkamp-Autorin wurde
Rubrik: Anekdoten aus dem Literaturbetrieb
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