Samstag, 15. Mai 2004

2. Apokalypse soon

Immer wieder wurde ich auf der Suche nach Unterlagen über meine Familie auf die Mormonen verwiesen, die aus religiösen Gründen vielerorts Urkunden und Kirchenbücher abfotografiert hatten und auf Mikrofilmen Daten, die der Krieg ansonsten ausgelöscht hätte, retteten. Die Benutzung der Archive mit dem Hauptsitz in Michigan ist frei und frei zugänglich, als Gegenleistung erwartet man lediglich das Freigeben eigener genealogischer Forschungsergebnisse, was im Prinzip selbstverständlich klingt, der Vervollständigung des Archivs wegen.
Nach Auffassung der Mormonen vereinigen sich nach dem Tod die Familien, weshalb schon zu Lebzeiten der Stammbaum eine große Rolle spielt und sozusagen der besseren Vorbereitung auf das Treffen im Himmel dient. Jedes neu entdeckte Familienmitglied wird posthum den Mormonen zugetauft.
Unmittelbare Vorfahren meiner Familie könnte ich nicht ausfindig machen, weshalb ich alle Details, die ich besaß, in eine Mail steckte. Nach dem Abschicken erfolgte eine Fehlermeldung durch meinen Computer. Kurz darauf entdeckte ich erst den vollständigen Namen der Religionsgemeinschaft: Kirche des letzten Tages. Womöglich hat mein Computer einen klugen Fehler begangen und mich davor bewahrt, meine Vorfahren unbekannterweise an eine Sekte zu verkaufen.
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