16. Nebenan
Vor meinem Fenster schwankt eine hochgewachsene Tanne leicht im Wind, dahinter liegt ein Stück Garten, daran grenzt der alte Friedhof, um den sich meine Gedanken immer wieder ranken. Die Frage, ob es etwas gibt, das man für diesen Ort tun könnte oder sollte, wird zur Metapher dafür, wie man sich diesem Teil deutsch-polnischer Vergangenheit nähern kann – so bestimmt wie ein bestimmtes Maß an Aufarbeitung zur Identitätsbildung notwendig ist und gleichzeitig so sanft, dass weiter ruhen kann, was der Natur im Laufe der Zeit schon fast wieder anheim gefallen ist. Wem würde es noch nützen, die Gräber wieder kenntlich zu machen, da die Generation, die keinen Ort zur Trauerbewältigung besaß, nun auch bald gehen wird. Barbara fragt mich, wie es dort jetzt aussähe, auf dem Friedhof, der an ihr Grundstück grenzt. In absehbarer Zeit werden die letzten schmiedeeisernen Gitter vom Rost zersetzt und die Grabumrandungen zerfallen sein und der Friedhof dem Ort einverleibt, ohne jemals bebaut zu werden und somit etwas zu Übersehendes, Verdrängtes bleiben.AnKaLe - 20:33
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