Freitag, 12. März 2010

Schnuppern Sie hier

Am 25./26.April gibt es ein Wochenendseminar der Prosawerkstatt unter meiner Leitung. Die Buchkinder Leipzig stellen dazu freundlicherweise einen Raum zur Verfügung, wo es so herrlich nach Ausdrucksfreude duftet... Das Seminar ist aber nur für Erwachsene (die ihr literarisches Können untermauern möchten). Die Anmeldung läuft. Alle Infos hier.

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Auch wenn Sie Schnee langsam nicht mehr riechen können - diese Postkarte mit beschreibbarer Fläche hinten drauf begegnet Ihnen demnächst in Leipzig öfter.

Montag, 8. März 2010

Fünf Arten, ein Hotel zu betreten...

...heißt die Lesung, die ich zur Buchmesse moderiere.
Ein Ort und die gleiche Situation, doch jedes Augenpaar sieht anders, jeder Kopf wertet das Gesehene anders und jede Hand macht andere Zeilen daraus. Lassen Sie sich in Beschlag nehmen von Fingerübungen und Geschichten von fünf Autorinnen, die in der Prosawerkstatt Leipzig unter meiner Anleitung ihr literarisches Handwerk aufrüsten.

Mi., 17.3., 20 Uhr
in der Frauenkultur Leipzig, Windscheidstr. 51, Leipzig-Connewitz

Mittwoch, 3. März 2010

Im Netz

"Was ist mit ihr, warum klingt ihre Stimme so fern und kraftlos?", fragt sich der jung-dynamische Telefoninterviewer. Sein Zeitlimit ist längst überschritten. Er ist gefangen im Netz einer Frau, die nicht von dieser Welt zu sein scheint.
Kurzhörspiel nach meiner gleichnamigen Short Story.

Mittwoch, 3. Februar 2010

Blognarzissten

Manchmal, wenn ich lange Weile habe – also nie, also manchmal, wenn ich mich einen Moment zerstreuen möchte –also selten, blättere ich mich durch die nächsten Blogs. Das können Sie auch tun, indem Sie in der horizontalen Menüleiste oben rechts klicken.

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Wieder da? Haben Sie auch grob gesehen drei Arten von Blogs gefunden? Die die unterhaltsam und informativ sein wollen und es sind, die die es wollen und nicht sind und die, denen es gar nicht darum geht, ob sie anderen etwas geben (und bei denen man mitunter gar nicht weiß, worum es geht)? Einträge der Art „heute habe ich das und das gemacht“ oder "nachdem mein Schnupfen endlich" lassen Zeiten vergessen, in denen Webseiten der Information über wichtige Dinge dienten. Die Technik eines Blogs ist ähnlich einfach zu bedienen wie ein Brotbackapparat. Das Gerät ist vorgegeben. Sie können die Standardgestaltung modifizieren, müssen es aber nicht. Den Inhalt in Form von Beiträgen oder Bildern brauchen Sie nur noch reinzukippen. Dann Knöpfchen drücken und auf geht’s in die Welt. Das ist das demokratische an Web2.0. Und es scheint die ideale Plattform für Narzissten.*

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Der Philanthrop Erich Fromm, der quasi jedem Tierchen sein Pläsierchen zugesteht, verliert etwas an Gutmütigkeit, wenn er über Narzissten schreibt. Er sieht im Narzissmuss ein zunehmendes gesellschaftliches Phänomen und einen Gegenpol zur Liebe. Ein Narzisst zeichnet sich dadurch aus, dass er meint, die Sonne gehe auf, wenn er den Raum betritt. Er verbringt Stunden vor dem Spiegel bis sein Äußeres perfekt ist. Er kann sehr charmant sein und außergewöhnliche Komplimente verteilen, was den Komplimentierten eine Weile auf einer Wolke schweben lässt. Bis man erkennt, dass der Narzisst sich darin gefällt, einem etwas zukommen zu lassen, was nur ER in seiner Großartigkeit austeilen kann. Eigentlich sind die Narzissten die Angenehmsten, von denen man meint, sie seien einfach in ihr eigenes Spiegelbild verliebt. (Solange man nicht nähere Bekanntschaft macht und dabei erfährt, dass sie mit anderen genauso lieblos umgehen wie mit sich selbst.)

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Dann gibt es nämlich noch die stärkere Ausführung, die nie ein gutes Wort über andere verlieren, weil sie sich in ihrem Universum selbst Sonne und Planeten sind. Verhaltensweisen oder Regeln, die für die Allgemeinheit gedacht sind, gelten nicht für sie. Sie sind empfindsamer bzw. verletzlicher als andere, deswegen muss man sie behandeln wie die Prinzessin auf dem rohen Ei. Dass sie auch verletzender sind als andere, können sie großzügig ausblenden. Wenn man ihnen Gutes tut, sollte man nicht davon ausgehen, ein Danke zu hören. Ihnen steht mehr zu als anderen und wenn man sie vorsichtig darauf anspricht, dass man sie für vermessen und fordernd hält, wird man zu Staub vor ihren Füßen oder man fällt wieder auf ihre manipulative Masche rein.
Wenn man in der Realität mit solchen Menschen zu tun hat, wird man früher oder später zu Ratgebern wie diesen oder diesen greifen. Ist es da nicht ein wahrer Grund zum Dankbarsein, dass viele von ihnen nun ihre Energien in der virtuellen Welt binden und man sich aussuchen kann, ob man sich mit ihnen beschäftigt?
* gleich und gleich erkennt sich am besten…

Montag, 1. Februar 2010

Wo der Schweinehund begraben liegt

Wenn wir von Asiaten sagen, dass sie emsig arbeiten und scheinbar nie eine Pause brauchen, so schwingt da leise Missgunst mit. Wir reden über sie wie über Ameisen oder ferngesteuerte Wesen, die jeder Individualität beraubt sind und zu einem großen Ganzen beitragen, von dem sie keine Ahnung haben. Zugegeben, die Individualisierungssucht ist in Systemen mit weniger autoritären Strukturen ausgeprägter. Was den asiatischen Fleiß angeht, sitzen wir scheinbar einem Irrtum auf. Er scheint von sehr weit innen zu kommen, von den Wurzeln her und speziell von denen der chinesischen Reisbauern. Ein Sprichwort aus China lautet: „Wer an 360 Tagen vor Sonnenaufgang aufsteht, kann gar nicht anders, als seine Familie reich zu machen“. Francesca Bray berichtet in „The Rice Economies“ über die Arbeitsorganisation der Reis anbauenden Familien. Um zwei bis dreimal im Jahr Reis ernten zu können und das von relativ kleinen Flächen, ist sehr viel Fleiß und Erfahrung, man könnte fast sagen, Präzision nötig. 360 Tage im Jahr, das heiß also nur fünf Tage ausschlafen, keinen Urlaub, keine Pause? Das klingt für unsere Ohren nach Sklaverei. Witzigerweise waren die Bauern während der Feudalherrschaft im früheren China weniger ausgebeutet und abhängig als in Europa. Sie arbeiteten, um sich zu ernähren. Waren sie geschickt und fleißig, konnten sie mehr ernten und konnten diesen Anteil, anders als europäische Feudalabhängige, auch behalten.
Antoine Lavoisier hat für Westeuropa errechnet, wie viel Zeit die Bauern mit Pflügen, Säen, Ernten, Dreschen zubrachten: es sind 206 Tage im Jahr. Darauf folgt die Winterpause, in der die körperlichen Aktivitäten herunter gefahren wurden, um weniger Nahrungsmittel zu verbrauchen. Auch den Feldern wurden solche Ruhepausen gewährt, denn sie mussten regelmäßig ein Jahr brach liegen, um sich zu regenerieren.
Malcolm Gladwell arbeitet in seinem Buch „Überflieger“ heraus, dass Erfolgsgeschichten unter anderem darauf beruhen, dass eine Gruppe oder Einzelperson mehr arbeitet als andere. Demzufolge werden Kinder, die darüber stöhnen, zu viele Hausaufgaben auf zu haben, nicht sehr weit kommen. Über die ausgedehnten Sommerferien verlieren sie einen Gutteil an Erlerntem. Und von den Eltern erfahren sie, was passiert, wenn man zuviel arbeitet. Ringe unter den Augen, Herzinfarkt, Burn out. Komisch, dass das unseren asiatischen Mitbürgern nicht so schnell passiert.

Rubrik: Randglossen

Montag, 11. Januar 2010

Tatort Studio

Neulich wurde mir zugetragen, dass Johannes Gabriel, mein Partner beim Einsprechen meiner Short Stories für das Hörbuch "Die Wärterin" in Russland ein berühmter Deutscher geworden ist geworden ist.

Sonntag, 3. Januar 2010

Liebe Leser und Leserinnen,

kirchesilvester
ich wünsche Ihnen einen wunderschönen Jahresbeginn mit so viel Schnee, dass Sie neben Spaziergängen viel Zeit und Muße zum Lesen haben.
Hier ein nachgeschobener Blick aus dem Fenster während der Silvesternacht.

Donnerstag, 17. Dezember 2009

Das Leben ist das schönste Märchen

Der Blog, aber das Weblog, das Internettagebuch - grammatikalisch verhält es sich ähnlich wie mit dem Laptop, das auch mal mit "der" oder "das" versehen auf oder in unserem Schoß liegt. Aber egal.

Meine erste Reise in die Masuren, wo mein Vater geboren wurde und seine Mutter und Großmutter um Kriegsende den Tod fanden, war für mich so aufrührend, dass ich lange brauchte, um mich auf den Weg zu machen. Ins mehr oder weniger unbekannte Nachbarland, wo ich irgendwie ein paar meiner Wurzeln vermutete. Die Geschichten und der Familienmythos, die mich von Kind an beschäftigten, warfen viele Fragen auf, die ich für mich klären und in einen Roman, mein drittes Buch verwandeln wollte. Ich suchte nach Fakten, nach Prozessakten, Gräbern, Zeitzeugen.

Und dabei entdeckte ich ganz andere Dinge als erwartet, leider nicht das Grab meiner Großmutter, aber dafür ein lebendiges Land, das sich mitten in einer rasanten Entwicklung befindet. Und das Gegenden besitzt, in denen die Zeit stehen geblieben ist.

Das Reisetagebuch dieser Reise habe ich im Nachhinein online zugänglich gemacht, weil es für eine Zeitungsreportage zu lang und für ein Buch zu kurz war.

Und damit bin ich zur Bloggerin geworden. Es folgten neue Reisen nach Polen (und nebenbei natürlich auch in andere Länder), immer noch auf der Suche, aber schon zu neuen Freunden und der Blog erweiterte sich auf alles, was mir zum Thema Deutsche und Polen über den Weg lief. Ich outete mich mit meinen Bemühungen, die Sprache zu lernen, die "abgesehen von Wortschatz, Satzbau und Grammatik" die gleiche ist wie Deutsch (Leszek Kolakowski).

Dann kamen immer mehr Dinge dazu, die zwar immer noch mit meinem Schreiben zu tun haben, aber mehr mit dem Leben und Schreiben an sich, als mit "Bleib, ein wenig geh". So nah mir das Thema einmal war - in einer Phase von knapp 140 Seiten wartet es auf den Prinzenkuss. Zwischendurch habe ich viele andere Dinge geschrieben: Drehbücher, Hörspiele, überhaupt Radioarbeiten und anderes Journalistisches, und natürlich jede Menge neue Prosa wie z.B. Short stories.

stuck
Foto: TS

"Das Leben ist das schönste Märchen, denn darin kommen wir selber vor", schrieb Hans Christian Andersen. Mein Leben kommt mir nicht jeden Tag wie ein Märchen vor, oder eigentlich doch, die guten Seiten wechseln mit den Schattenseiten; so bleibt es spannend. Und auch wenn man in Form eines öffentlichen Tagebuches nur Andeutungen und Bruchteile der Rahmenbedingungen Preis gibt, so lade ich Sie ein, mir weiterhin über die Schulter zu schauen.

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