Mittwoch, 16. Mai 2012

I don't like Facebook

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie viele Daten Sekunde für Sekunde auf Facebook verbreitet werden und warum das amerikanische Unternehmen 900 Millionen Nutzern weltweit unbegrenzten Speicherplatz für alle Fotos, Postings und Nachrichten und eine Möglichkeit zum life-chat zur Verfügung stellt und das gratis?
Das muss daran liegen, dass Facebook ein soziales Unternehmen ist und darauf setzt, dass der Mensch ein soziales Wesen ist. Dass er also gern zeigt, was er hat und wie großartig er ist und dieses gern mittels Tauschhandel bestätigt bekommt. Klickst du gefällt mir, klicke ich gefällt mir bei dir. Uns ist schon klar, dass wir Pseudonachrichten erzeugen, ohne die die Welt vorher eigentlich ganz gut klar gekommen war und dass der Kontakt zu unseren Freunden ein sehr vermittelter und zunehmend selektiver Kontakt ist, bei dem wir nach irgendeinem Rankingverfahren nur die eine oder andere Meldung angezeigt bekommen. Und dass die 438 Freunde eigentlich auch eher flüchtige Bekannte sind, von drei, vier Ausnahmen abgesehen. Und dass wir, je mehr Zeit wir auf Facebook verbringen, umso weniger Zeit haben, unsere echten Freunde zu treffen oder anzurufen oder ihnen wenigstens eine Mail zu schreiben. Irgendwie können wir uns dazu immer schwerer aufraffen. Denn auf Facebook ist alles so schön bequem. Wir brauchen nicht mal mehr das Mailprogramm zu öffnen und uns einzuloggen oder mühsam Fotos anzuhängen. Auf Facebook können alle, die es interessiert (oder auch nicht) kucken, was man freiwillig von sich preisgibt für eine nebulöse Menge da draußen. Freiwillige Preisgabe von Privatem, Selbststilisierung, Pflege von Narzissmus, zunehmende Vereinzelung und Pseudokommunikation – diese Nebenwirkungen waren uns schon bewusst, als wir den Account bei Facebook eröffneten.
Und wir haben es trotzdem getan. Vielleicht, weil wir nicht ausgeschlossen bleiben wollten von dieser glitzernden Parallelwelt, vielleicht weil uns die Einladungen zu Facebook, die der Einladende vielleicht gar nicht selbst ausgelöst hat, irgendwann überzeugten, so wie in unserem Namen vielleicht ohne es zu ahnen Einladungsmails von Facebook verschickt wurden. Warum geben sich die Facebook-Betreiber so viel Mühe für uns und stellen eine neue Timeline zur Verfügung und ständig Neuerungen, bei denen wir aufpassen müssen, dass unsere Einträge nicht plötzlich über Google zu finden sind?
Es wird schon nicht so schlimm sein, haben wir uns gedacht, es machen ja so viele mit, wenn das nicht koscher wäre, würden schon ein paar Leute auf die Barrikaden gehen. Wann eigentlich Facebook die Idee hatte, an die Börse zu gehen, das wäre interessant. Ist schon klar, dass sich das Unternehmen über Werbung finanziert. Werbung auf Facebook ist sehr günstig, bei einem Euro pro Tag geht es los. So billig kann man sonst nirgends seine Zielgruppe erreichen. Und so gezielt, denn wir helfen mit unseren freiwilligen Selbstangaben und unseren „Gefällt-mir“ Klicks dabei, ein einwandfreies Kundenprofil zu erstellen. Da kann ein Werber also angeben, wie alt diejenigen sein sollen, für die die Anzeige geschaltet wird, ob sie verheiratet oder Single sind, was sie für einen Schulabschluss haben, wo sie wohnen, was sie für Interessen haben. Denkbar wäre auch, eines Tages Nachrichten und Fotos auszuwerten. Vielleicht werden Facebook-Nutzern dann gezielt Werbung für Aknemittel, Hundefutter oder Diäten angeboten.
Ich bin seit 2010 dabei. Ich war nie ein Trendsetter, weil ich meine natürliche Neugier den Medien gegenüber, die in unserer Gesellschaft entstehen und sie mitformen, immer mit einer natürlichen Skepsis kollidierten. Schon nach einem Jahr überlegte ich, ob ich mir zum Geburtstag schenke, bei Facebook auszusteigen. Ich habe es nicht gemacht, sondern noch ein paar Kontakte mehr bestätigt. Jetzt ist der zweite online-Geburtstag vorbei und wahrscheinlich würde ich es wieder nicht geschafft haben, gäbe es nicht diese Verwandlung unserer Einträge in börsentaugliche Daten mit einem Marktwert von geschätzten 100 Milliarden Dollar. Meine Daten sind dabei nur der Hauch eines Tropfens auf einem heißen Stein. Aber selbst mit diesem Hauch muss ich nicht dabei sein. Letzte Nacht habe ich alle Fotos, Einträge und Privatnachrichten aus zwei Jahren gelöscht. Per Hand. Das hat eine ganze Weile gedauert, weil aus den Falten der Timeline immer wieder Postings auftauchten. Hat diesen ganzen Internetschrott, den ich im Moment originell fand, überhaupt jemand gelesen? Und dort, wo es Klicks und Kommentare gab, hätte ich da nicht lieber in einem Café gesessen und Aug in Auge mit einen Bekannten diskutiert anstelle dieses Hahaha-Gefällt-mir Geschwafels?
Liebes Facebook, vielen Dank für die nette Zeit, aber ich reiche die Scheidung ein. Mir reicht es. Ich bin jetzt wieder auf normalem Wege zu erreichen, über Mail und Telefon. Ich informiere noch meine Freunde darüber und dann lösche ich mein privates Konto ganz.
Aber ich bin nicht etwa von der Internetsucht geheilt. Am Anfang ist ein neu entdecktes Medium immer so aufregend kribbelnd, dass man ständig wieder darauf schaut anstelle zu Arbeiten. Ich bin jetzt bei twitter. Lol

Rubrik: Randglossen

Freitag, 11. Mai 2012

Erscheinen

Am Ende sieht es dann so aus, als wäre ein Buch erschienen, einfach so aufgetaucht. Natürlich gehören dazu unendlich viele kleine Schritte. Einer ist das Erscheinen der Verlagsvorschau, die das Programm zur nächsten Messe ankündigt. Und auf Amazon oder im Verlagsprogramm können Sie schon mal mein Buch vorentdecken.

An dieser Stelle möchte ich den Lesern dieses Blogs danken, die mir schon seit über sieben Jahre die Treue halten, auch für den anregenden Austausch. Wenn Sie mögen, können Sie den Dialog auch auf Facebook oder via twitter weiter führen, wo ich seit Kurzem bin.

Donnerstag, 26. April 2012

Eine lange Geburt

Noch fünf Monate, bis mein Roman erscheint. Ich zähle also die Monate... zwischendurch ist es um den Titel meines Romans haarig geworden. Er wird vom Verlag aus einem anderen Blickwinkel betrachtet als von mir. Was Hegel als Triebkraft eines Romans ansieht, entgeht scheinbar auch dem Romanverfasser nicht: der "Konflikt zwischen der Poesie des Herzens und der entgegenstehenden Prosa der Verhältnisse". So drastisch wie Lukács ("Kampf der Innerlichkeit gegen die prosaische Niedertracht des äußeren Lebens") muss ich es zum Glück nicht ausdrücken. Der Titel, den mein Verlag in meinem Manuskript gefunden hat (ein kurzer Satz) ist poetisch. Ich hätte ihn aber niemals so gewählt. Mir ist schon klar, dass es sich bei der Diskussion um Nuancen eines Titels um ein Luxusproblem handelt, aber zwischen künstlerischer Integrität und marktgerichteten Belangen kann es schon reiben. Wahrscheinlich muss es das sogar. Und am Ende muss ich als Autor dem Verlag vertrauen, denn er möchte ja genauso sehr, dass das Buch viele Leser erreicht.
Zwischendurch habe ich in einer für mich erstaunlich kurzen Spanne ein neues Manuskript beendet, ganz anderes Thema, ganz andere Zeit, anderer Ton.

Montag, 16. April 2012

Über eine Woche in New York

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ließe sich so viel sagen/schreiben, dass ich hier gar nicht erst damit anfange...

Samstag, 7. April 2012

Kurz vorm Abflug

sollte man eigentlich Koffer packen... Aber man kann auch Pellkartoffeln kochen, im Kleingarten Hütchen auf den Salat stecken und schnell noch die letzten Links auf der nagelneuen Seite der Prosawerkstatt setzen.
Hier ein österlicher Blick in mein Bücherregal, fast ganz oben liegt das Buch, das ich gerade suchtmäßig verschlungen habe.

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Ich wünsche Ihnen lesefrohe Ostern!

Montag, 26. März 2012

Hallo Frau Wolf!

Neulich kam auf Deutschlandradio Kultur eine Debatte zur Anrede in Mails und Sms. Da schöpften die Hörer aus dem Vollen, und einige Differenzierungen traten zu Tage, zum Beispiel die zwischen „Geehrte“ und „Verehrte“. Das erinnerte mich an den Händedruck von Christa Wolf, mit der ich vor sehr sehr langer Zeit einmal im gleichen Verlagsprogramm erschien. Ich hätte damit rechnen müssen, dass ich sie beim Verlagsessen sehen würde, war aber denkbar schlecht auf diesen Moment vorbereitet. Wir wurden vorgestellt etwa mit den Worten „Das ist unsere junge Autorin A.K.“ und dann fiel der große Name und unsere Hände trafen sich auf einer gedachten Mittellinie. „Hallo Frau Wolf“, hörte ich mich sagen und gleichzeitig denken, dass das ein bisschen forsch, aber eventuell durch meine Jugendlichkeit zu entschuldigen sei. Als nächstes wollte ich zum Ausdruck bringen, welche ihrer Bücher mich nachhaltig geprägt haben und welche Ehre… Da wurden wir auf recht bestimmte Weise auseinander gerissen, denn das Essen sollte serviert werden. Hätte ich gewusst, dass es die einzigen Worte wären, die ich je mit Christa Wolf wechseln dürfte, hätte ich kein einziges gesagt.

Rubrik: Anekdoten aus dem Literaturbetrieb

Sonntag, 18. März 2012

Nach der Messe ist vor der Messe

Vier mal acht Stunden auf der Buchmesse sind entspannter als ein mal drei Stunden. Viele nette Gespräche am Tisch der Prosawerkstatt. Zur nächsten Messe wirds ernster. Mein neuer Roman wird dann in Frankfurt erscheinen. Noch sieben Monate. Nach sieben Jahre Arbeit eine winzige Ewigkeit.

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Ein Eispalast? Rückansicht der Messe.

Montag, 5. März 2012

Und was machen Sie zur Buchmesse?

Eine Kreative Pause auf der Messe?
Direkt auf der Buchmesse können Sie von Donnerstag bis Sonntag eine kreative Verschnaufpause einlegen und unter Anleitung spielerische Schreibübungen aus der Prosawerkstatt probieren. In Halle 4 hinter dem Leipzig-liest-Forum, (Stand E 101). Schauen Sie nach der weißen Feder... Ich werde auf jeden Fall Donnerstag und Freitag mit am Stand sein.

Zu einer Buchpremiere gehen?
Am Freitag, den 16.3. präsentieren Teilnehmer der fortlaufenden Werkstatt die erste Anthologie der Prosawerkstatt, die ich als Herausgeberin betreut habe. Sie heißt "Der Schlüssel liegt unter dem Stein" und erscheint in einem kleinen lokalen Verlag. Die Lesung findet 18 Uhr 30 in der Frauenkultur statt. Ich moderiere das Ganze.

Ins literarische Schreiben reinschnuppern?
Am Sonnabend und Sonntag, 17. und 18.3. halte ich den Einführungskurs der Prosawerkstatt. Er bietet einen guten Überblick über das Handwerk des literarischen Schreibens und findet von 10 bis 17 Uhr in der Prosawerkstatt, Rietschelstr. 2, Leipzig-Lindenau statt.

Anna Kaleri

Gedankengänge rings um das Entstehen eines Romans über meine masurische Großmutter, die ich nicht kannte.

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done!
Ich vergesse übrigens immer, dass ich auch einen...
Eugene Faust - 2012.05.16, 23:45
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da hast du recht, geht mir auch so und bei persönlichen...
creature - 2012.05.16, 18:53
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... aber Twitter ist natürlich auch nur eine Sucht......
AnKaLe - 2012.05.16, 18:41
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Eugene Faust - 2012.05.16, 18:12
... bis er (der Kapitalismus)...
... bis er (der Kapitalismus) seine Fratze zeigt. Was...
Talakallea Thymon - 2012.05.14, 10:44
Vielen Dank! Wer weiß,...
Vielen Dank! Wer weiß, was der Verlag mit "Schwestern...
AnKaLe - 2012.05.11, 11:28
Über mißlungene...
Über mißlungene Titel kann man sich auch...
Talakallea Thymon - 2012.05.10, 11:10
Deinen Roman ...
... werde ich haben müssen! Freue mich schon.
Anni Bürkl (Gast) - 2012.03.26, 11:44
oh danke!
oh danke!
AnKaLe - 2012.03.05, 16:58
Jaaa! Von mir auch :...
Jaaa! Von mir auch : )
phyllis - 2012.03.02, 20:49
GUTES GELINGEN!
GUTES GELINGEN!
Eugene Faust - 2012.02.07, 14:11
gesperrt
Na so was, das Video wurde auf YouTube wegen der Rechte...
AnKaLe - 2011.11.24, 18:37
soo weit
... zurück dann doch nicht, obwohl Adam und Eva...
AnKaLe - 2011.07.20, 10:27




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