Der Blog, aber das Weblog, das Internettagebuch - grammatikalisch verhält es sich ähnlich wie mit dem Laptop, das auch mal mit "der" oder "das" versehen auf oder in unserem Schoß liegt. Aber egal.
Meine erste Reise in die Masuren, wo mein Vater geboren wurde und seine Mutter und Großmutter um Kriegsende den Tod fanden, war für mich so aufrührend, dass ich lange brauchte, um mich auf den Weg zu machen. Ins mehr oder weniger unbekannte Nachbarland, wo ich irgendwie ein paar meiner Wurzeln vermutete. Die Geschichten und der Familienmythos, die mich von Kind an beschäftigten, warfen viele Fragen auf, die ich für mich klären und in einen Roman, mein
drittes Buch verwandeln wollte. Ich suchte nach Fakten, nach Prozessakten, Gräbern, Zeitzeugen.
Und dabei entdeckte ich ganz andere Dinge als erwartet, leider nicht das Grab meiner Großmutter, aber dafür ein lebendiges Land, das sich mitten in einer rasanten Entwicklung befindet. Und das Gegenden besitzt, in denen die Zeit stehen geblieben ist.
Das Reisetagebuch dieser Reise habe ich im Nachhinein online zugänglich gemacht, weil es für eine Zeitungsreportage zu lang und für ein Buch zu kurz war.
Und damit bin ich zur Bloggerin geworden. Es folgten neue Reisen nach Polen (und nebenbei natürlich auch in andere Länder), immer noch auf der Suche, aber schon zu neuen Freunden und der Blog erweiterte sich auf alles, was mir zum Thema Deutsche und Polen über den Weg lief. Ich outete mich mit meinen Bemühungen, die Sprache zu lernen, die "abgesehen von Wortschatz, Satzbau und Grammatik" die gleiche ist wie Deutsch (Leszek Kolakowski).
Dann kamen immer mehr Dinge dazu, die zwar immer noch mit meinem Schreiben zu tun haben, aber mehr mit dem Leben und Schreiben an sich, als mit "Bleib, ein wenig geh". So nah mir das Thema einmal war - in einer Phase von knapp 140 Seiten wartet es auf den Prinzenkuss. Zwischendurch habe ich viele andere Dinge geschrieben: Drehbücher, Hörspiele, überhaupt Radioarbeiten und anderes Journalistisches, und natürlich jede Menge neue Prosa wie z.B.
Short stories.

Foto: TS
"Das Leben ist das schönste Märchen, denn darin kommen wir selber vor", schrieb Hans Christian Andersen. Mein Leben kommt mir nicht jeden Tag wie ein Märchen vor, oder eigentlich doch, die guten Seiten wechseln mit den Schattenseiten; so bleibt es spannend. Und auch wenn man in Form eines öffentlichen Tagebuches nur Andeutungen und Bruchteile der Rahmenbedingungen Preis gibt, so lade ich Sie ein, mir weiterhin über die Schulter zu schauen.
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